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Down UNder Tour 2004:
Eine Promotiontour für den Wind


Der einzige Antrieb ist der Wind... "Earthflyer" Dirk Gion
hat es geschafft! In 18 tagen hat er den gesamten Kontinent
Australien auf seinem Mountain-Board – lediglich
angetrieben durch Kites - durchquert.

Fazit der Australien-Tour und
Erfahrungsbericht basierend auf Tagebuch-Ausschnitten


Strecke: Stuart Highway
Transportmittel: Skateboard gezogen von Lenkdrachen
Start: Port Augusta
Ziel: Darwin
Strecke: 2865 Kilometer
Zeit: 18 Tage (22.Oktober bis 9. November)
Pilot: Dirk Gion, Filmemacher und Teamrider Flysurfer Germany
Begleit-Team: Kamera - Bernhard Finger
Fotograf - Tom Forster
Ärztin – Elena Riu

Material: Lenkdrachen – Flysurfer Extasy (4,5 – 7 qm)
Skateboard – MBS Comp 26 x
GPS – Garmin

Partner: Red Bull Germany
Flysurfer Germany
Britz Australia
Fazit:
8. Februar 2005
Ich bin jetzt schon wieder ein paar Monate in Deutschland.
Die Zeit nach Australien war sehr turbulent.

Die Medien
Ich war 18 Mal live als Studiogast in Fernsehsendungen, insgesamt wurde schon über 35 Mal im Fernsehen über das Earthflyer Projekt berichtet. Hinzu kamen ca. 30 Hörfunk-Interviews und Berichte und dutzende (wahrscheinlich eher einhundert) Zeitungsberichte von Kurzkommentaren bis hin zu Zwei-Seiten-Berichten. Und es werden immer mehr, viele Magazin-Anfragen habe ich noch nicht bearbeiten können. Sie kommen aus der ganzen Welt (Australien, USA, England, Spanien, Russland, ….)
Auch im Internet ist das Earthflyer Project rege diskutiert worden. Ich bedanke mich hier auch bei allen, die mir auf diesem Wege Glück gewünscht haben und Anteil an der Tour genommen haben. Da ich zusammen mit meinem Geschäftspartner Christoph Fleischer die gesamte Vermarktung und Verbreitung des Projektes bis jetzt alleine gemacht habe, bitte ich um Verständnis, wenn ich die eine oder andere e-mail nicht beantwortet habe – ich habe auch so schon kaum noch geschlafen nachts. Denn da ich ja Regisseur und Filmemacher bin, habe ich mich sofort hingesetzt und Beiträge aus dem Rohmaterial von Bernhard Finger geschnitten. Inzwischen hat diese Arbeit der Ausnahme-Cutter Martin Wolff in Köln übernommen und ich bin sehr zuversichtlich, dass noch im Sommer die einstündige Doku über Earthflyer Australien fertig ist. Zur Zeit arbeitet er an 11 Folgen für den Kinderkanal, sie werden im Februar/März 2005 immer Samstags zwischen 10 und 10 Uhr 30 in der Sendung „Fortsetzung folgt“ gezeigt.


Das Material
Nach der Australiendurchquerung war ich vier Kilo leichter, die habe ich schon wieder drauf.
Zum verwendeten Material kann ich nur sagen: ich war total zufrieden mit den Kites und dem Board. Die Flysurfer Kites haben sich unter diesen extrem schwierigen Bedingungen als sehr robust erwiesen. Wahrscheinlich sind die Kites hunderte Mal in Büsche , Bäume und Zäune geflogen, sind in der Powerzone auf die Straße geknallt und hunderte Mal sind die Schnüren an Zweigen und Büschen hängen geblieben – aber ich habe nicht eine einzige Reparatur während der Tour an den Kites vorgenommen. Sie haben gehalten!
Die Waage-Schnüren sehen zwar arg mitgenommen aus und mussten ersetzt werden, und ein Kite hat ein kleines Loch, aber ansonsten – Respekt.
Zu den Flugeigenschaften kann ich nur sagen: sie sind hervorragend. Die Flysurfer Kites sind absolut ausgereifte Flugmaschinen. Sie lassen sich mit der Präzision einer ferngesteuerten Maschine fliegen und man kann sie in fast allen Situationen sicher handhaben. Die Sicherheits-Systeme funktionieren immer einwandfrei und eines ist nach der Tour sicher: man kann sie nur mit einem Softkite machen.
Unter den Bedingungen, die ich in Australien hatte, muß man einen Kite von jeder Position im Windfenster Starten können. Egal ob in der Powerzone, am Windfensterrand, oder verkehrt herum – einen Softkite kann ich immer alleine starten. Selbst aus Büschen und Bäumen habe ich die Kites gestartet und selbst bei schwächsten Windbedingungen konnte ich sie so weit vorfüllen, dass sie ohne Probleme gestartet sind.

Das Board war ein MBS Comp 26 x, das ich noch stark modifiziert habe. Das Brett ist ein Traum. Es läuft auch bei hohen Geschwindigkeiten geradeaus, läuft sehr leicht und ruhig, lässt sich gut steuern und hat sich als sehr robust erwiesen. Ich hatte auf den fast 3000 kilometern keine einzige technische Panne an dem Brett (von einem platten Reifen abgesehen).

Unser Wohnmobil von Britz war ein echtes Zuhause und hat das Team auf der ganzen Tour nicht einmal im Stich gelassen. ( Die unerlaubt angebrachte Videoplattform haben wir nach der Tour auch ohne Spuren wieder entfernt ).


Die Partner
Ich möchte mich hier auch bei meinen Partnern bedanken, die das Projekt erst mit ermöglicht haben.
Red Bull, Flysurfer, Britz Australia, Garmin, Peter Mertin von Cologne Enterprise, Christoph Fleischer von Buckle-Up Productions und meine Familie.


Wie geht’s weiter?
Ich arbeite bereits an der Umsetzung von PROJECT EARTHFLYER- THE WORLD
Mehr dazu gibt es in Kürze auf dieser Website



Tour-Tagebuch in Auszügen

Sind in Melbourne gelandet und von einer Mitarbeiterin unseres Partners Red Bull in Empfang genommen worden. Dann haben wir unser Wohnmobil in Empfang genommen, das uns unser Partner Britz Australia zur Verfügung gestellt hat.

Auf der Great Ocean Road zwischen Melbourne und Adelaide haben wir am Strand ein Probfliegen eingelegt. Die neuen Extacy Kites von Flysurfer sind super. Ich denke der 10 qm Drachen ist zu groß und stark für die Tour. Man kann mit ihm zwar wunderbar „abheben“, aber genau das will ich auf dem Stuart Highway vermeiden. Selbst bei schwachem Wind baut der 7 qm Drachen bereits genug Kraft auf (wie sich später auf der Tour zeigen wird, benutze ich den 4,5 qm Kite am meisten). Ich werde in den nächsten Wochen Vorserien Kites der neuen Extacy Reihe fliegen. Schon jetzt bei den ersten Flügen zeigt sich die Stärke dieser Drachen. Sie sind sehr wendig, reagieren sehr direkt auf alle Kommandos, haben ein enormes Geschwindigkeitspotential und verhalten sich auch bei Turbulenzen stabil. Auffallend ist das extrem stabile „Zurückschweben“ ins Windfenster, wenn der Kite den Piloten einmal überfliegt. Alles in allem geben die Kites ein sicheres Fluggefühl und lassen sich von jedem Punkt im Windfenster ohne Probleme starten. Einer der Gründe, weshalb man ein solches Vorhaben nur mit Softkites angehen kann.

Die Fotos vom Probefliegen haben wir an Sarah Nöllenheit, die sich um die Website kümmert, geschickt.
Kurz vor Adelaide dann Kiten auf einem ausgetrockneten Salzsee. Leider war der nicht überall ausgetrocknet, - also stundenlanges Saubermachen danach. Durch hohe Bäume rings um den See war der Wind so unkonstant, dass an ein wirkliches Kiten nicht zu denken war. Es war eher eine Handlingprobe. Viel aufschlussreicher war die kurze Testfahrt auf einem Highway. Trucks kommen mit über 100 km/h vorbeigefahren. Wenn der Kite an der 30 Meter Leine fliegt, sind der Sog und die Turbulenzen kein Problem. Kurze Leine geht bei solchen Begegnungen gar nicht, zu gefährlich.

Wir haben in Port Augusta alles vorbereitet und fahren in einer stunde los, auf den Highway. Wind ist ok, aber die ersten 30 Kilometer von hinten - mal sehen... Wir melden uns mit neuen Fotos und berichten sobald es geht, wahrscheinlich von Coober Pedy.

Grüße von den Kopfstehern, wir sind bester Dinge und super aufgeregt.
bis dann
Dirk
Earthflyer

26.10. 2004
Der Knoten ist geplatzt.
nach viel Rumgehampel in den ersten Tagen mit Vorwindkursen und sehr schwachen Winden haben wir eine fulminante Nachtfahrt hinter uns.
Bis Glendambo (knapp 300 km) musste ich noch viel Rollern (skaten mit dem Fuß). Dazwischen dann immer wieder kiten unter schwierigsten Bedingungen. Entweder schwacher Vorwindkurs mit niedrigen Geschwindigkeiten, oder sehr schwacher Wind mit viel Pumpen an den leinen und nicht viel Speed (aber alles ist besser als rollern).
Dann gestern in Glendambo. Ich habe Vorräte gekauft und bin nachmittags um
5 Uhr von da los. rollern, rollern, rollern. Ich wollte schon fast mein Nachtlager aufschlagen, da kam Wind auf. Zuerst eine leichte Brise, dann stärker, mit bis zu 25 km/h konstanten Winden.
Ich bin bis in die frühen Morgenstunden gekitet, der Mond scheint extrem hell, so dass ich nicht mal auf das Scheinwerferlicht vom Wohnmobil angewiesen war.
Geschwindigkeiten zwischen 30 und 47 km/h.
Dann mitten in der Nacht umrüsten vom 7er Kite auf den 4,5er Kite. Der 7er war mir zu stark angepowert.
Nach ca. 5 Stunden und ca 200 Kilometern war ich kurz vor Coober Pedy (4 km davor, ich konnte die Lichter schon lange sehen), da stoppte uns eine Polizeistreife. Ein entgegenkommender Wagen hat ihnen per funk über die " Erscheinung" berichtet.
Der ältere Polizist versuchte ernst zu bleiben, der Jüngere hat Fotos von mir und dem Brett gemacht und war total begeistert. Aber als ich sie darum bat, uns die letzten vier Kilometer nach Coober Pedy mit Blaulicht zu eskortieren, haben sie abgelehnt.

Grundsätzlich ist es verboten, was wir hier machen, aber das Verkehrsaufkommen ist sehr niedrig.
Wir müssen was die Polizei angeht jetzt sehr aufpassen, dass unser Projekt nicht zu früh in Gefahr gerät. Das war jetzt der zweite Kontakt mit der Police. Sie finden es irgendwie klasse, müssen aber offiziell bleiben und es eigentlich untersagen, was sie nicht mit aller Schärfe bisher tun.

Heute ist der Wind weiterhin gut, werde jetzt gleich ausgeruht auf die Strecke gehen und versuchen eine Supertagesetappe von 300 bis 400 Kilometern hinzulegen.

Tom sendet gerade neue Bilder an Sarah, die Website ist toll.
Haben Mails aus der ganzen Welt, mehrere russische Surfmagazine haben gefragt, ob sie Bilder von der Story bekommen, Menschen, die die Site gesehen haben, finden es toll dass so schnell aktuelle Bilder drauf sind.

so, schöne Grüsse an die Nordhalbkugel, hoffe, ich melde mich übermorgen aus Alice....
bis dann
Dirk
Earthflyer


Erfahrungsbericht über die Strecke von Coober Pedy bis Alice Springs.

Habe mich mit dem kleinen 2 qm Kite aus Coober Pedy rausgeschlichen.
Ich wollte unter allen Umständen vermeiden, dass die Polizei im Umkreis von 20 Kilometern um Coober Pedy einen Kite in der Luft sieht. Der 2 qm hat nur ein Meter lange Leinen .Der Wind war extrem stark in den Opalfeldern rund um Coober Pedy. Wir hatten spitzen Böen um Windstärke 5.

Nach 15 Kilometern ist mir der 2 qm unter die Reifen gekommen und kaputt gegangen.Dann bin ich mit dem richtigen 4,5 er Kite weiter. Der Wind frischte bis auf Windstärke 6 in Böen auf. Es ging super voran. Allerdings war ich noch immer vorsichtig und bin bei jedem Auto oder Truck stehen geblieben und in die Büsche gelaufen mit dem kite am Himmel, damit mich noch immer keiner auf der Strasse kiten sieht. Das war lästig und senkte den Schnitt enorm.

Gegen Abend dann immer noch Stärke 6 in Böen und wenig Verkehr. Wind kam von Südost, also leichter Vorwindkurs mit Spitzengeschwindigkeiten auf dem Skateboard von 60 km/h nach Autotacho.
In der Nacht dann Pause auf der Strasse liegend, aber Kite immer in der Luft.
Dann irgendwann der Dog Fence, der Dingo Zaun, der sich quer durch Australien zieht, um die Wildhunde von den Weidegebieten im Osten fernzuhalten.

Als der Wind mit Böen von bis zu Stärke 6/7 direkt von hinten kam, bin ich mit meinem Gore Tex Biwaksack als Spinnacker weitergefahren. Ich stand auf dem Brett und habe einfach den Biwacksack hochgehalten - so erreicht ich Geschwindigkeiten um 30 km/h.

Dann Übernachtung irgendwo im Busch. Am nächsten Tag weiter mit weiniger Wind und zum Teil rollern auf Strecken mit Büschen/Bäumen.
Abfahrt abends aus Marla.
Ein einheimischer prognostizierte eine Regenfront am abendlichen Horizont mit viel Wind.

Viel Wind kam nicht, aber genug um die Nacht gemischt zu Kiten/rollern.
Auch einen ersten Platten mit Reifenwechsel irgendwann in dieser Nacht habe ich hinter mich gebracht.
Die letzten 80 Kilometer in South Australien bis zur Staatsgrenze zum Northern Territory bin ich durch eine absolut Windstille Nachts gerollert.
Völlig fertig, zwei Nächte kaum geschlafen und kräftemäßig am Ende kam ich am Morgen Kulgera an. In dieser Nacht habe ich nur drei Pausen a 20 Minuten eingelegt. Habe Mitten auf der Strasse gelegen (in der ganzen Nacht, 12 Stunden, sind nur Drei Road Trains (Trucks über 50 Meter lang mit 110 km/h) an mir vorbeigefahren). Meine größte Angst war, nicht bei einer pause Mitten auf der Strasse einzuschlafen.
Die Nacht war kalt, habe trotzdem über 5 Liter Wasser getrunken.

Dann nach Kulgera kam pünktlich mit dem Sonnenaufgang wieder eine Brise Wind auf. Nicht viel, aber genug zum kiten ohne Spitzengeschwindigkeiten und mit kleinen Abschnitten rollern.
Kite sackte auf leichtem Vorwindkurs oft ab, musste ihn aus Büschen, Bäumen und Zäunen wieder rausfummeln.
Vorbei an Kamelen, Adlern auf totgefahrenen Kangoroos dann Richtung Alice Springs.
Vor Alice noch eine kleine Mountainrange, bergauf laufen, bergab skateboardfahren dazwischen immer wieder kiten.
Dann die letzten 30 oder 40 Kilometer bis Alice. Der Highway läuft parallel zur mac donnell mountain range. Abendsonne, leichter aber genug wind von Ost. 7 quadratmeter Kite, guter Speed und eine absolut göttlich entspannte Schlussetappe nach Alice - warum kann nicht die ganze Tour so sein!!!
10 Kilometer vor dem eigentlichen Ort das Willkommensschild welcome to alice.
Genau 7 Tage und 2 Stunden nach dem Start sind wir in Alice, 1218 Kilometer.

Waeren die erste drei Tage nicht so langsam gewesen, hätten sich meine Streckenprognosen exakt erfüllt. So hängen wir im ursprünglichen Zeitplan zwei bis drei Tage hinterher.

Wir haben uns gestern in Alice einen tag ausgeruht. Das brauchte die ganze Crew. Für das Team ist die Tour enorm anstrengend. Entweder sie müssen mit
12 km/h hinter mir herfahren, oder ich "rase" mit 50-60 km/h durch die Nacht und sie müssen irgendwie versuchen Bilder davon zu machen. Dazu kommt, dass ich keinen Tag/Nacht- Rhythmus einhalte. Ich kite und rollere wie es gerade vom Wind passt und schlafe wenig - das ist hart.

Wir waren vorhin am Flughafen in Alice, die Windprognose für die nächsten Tage sieht gut aus, das Wetter ändert sich und der Wind dreht gerade von Südost auf Nordost/Nordwest mit bis zu 20 knoten - das hört sich sehr gut an, denn dann ist der Wind stark genug um die Höhe zu laufen, die ich brauch bei dem Kurs.
Für die kites ist die tour ein absoluter Härtetest. die Schnüren sind an manchen Stellen schon sehr dünn geworden wegen der vielen Buschkontakte und Starts aus den Büschen / Dornen. Ich hoffe sie halten noch bis zum Schluss.

Ok, das wars
Wir starten jetzt mit auffrischendem Wind in Richtung Norden
Nächster Bericht wahrscheinlich von Katherine.

Geflügelte grüsse an alle

Dirk Gion
Earthflyer


Tom schreibt: diese Mail erreicht euch aus Katherine im Northern Territory. Dirk kommt heute Abend oder Nacht hier an. Er ist noch ca. 40 Kilometer vor Katherine. Hier der Bericht seit seinem Aufbruch aus Alice Springs am 31.10. 2004.

Der Tag Pause in Alice hat gut getan und war dringend nötig. Habe noch einen intakten Reservereifen auf die Felge mit Bremsscheibe aufgezogen, damit ich wieder Vorwindkurse fahren kann (obwohl die seltener werden).
Bin am späten Nachmittag durch die Hügel nördlich von Alice gerollert und dann in die Nacht. Kurz nach Alice habe ich den Wendekreis des Steinbocks überquert. Von da an fuhr ich (theoretisch) in tropischen Gebieten, praktisch änderte sich aber erst mal gar nichts an der Landschaft, oder am Wetter. Es begann eine absolute Wind-Routine: morgens mit Sonnenaufgang ist es fast so, als ob jemand einen Knopf drückt. Der Wind, der nachts praktisch nicht vorhanden ist, frischt auf und weht die ersten Stunden ziemlich gleichmäßig aus west / Nordwest. Dann im Laufe des Vormittages wird der Wind immer böiger. Im Extremfall wechseln 0 Windstärken mit 4 Windstärken ab. Es wird dann immer schwieriger zu fahren, bis irgendwann ab Mittag gar nix mehr geht, weil die 0 Windstärken Pausen zu lang werden. Da es auch deutlich wärmer geworden ist, mache ich nachmittags ausgedehnte Pausen und fahre erst am frühen Abend wieder per Roller in die Nacht.
Es kommt ab und zu vor, dass auch Nachts kurz für ein oder zwei Stunden der Wind auffrischt. Dann baue ich schnell um von Roller auf Skateboard und nutze die Power. Das ist manchmal sehr nervig und seit das Rollern zum regelmäßigen Fortbewegungsstil wurde, wird mir immer klarer, wie groß der Unterschied zwischen 12 km/h mühsame Fortbewegung und 30 bis 50 km/h spaßkiten ist. Durch die extreme Windsituation tagsüber sinkt der Kite immer wieder in die Büsche und Bäume ab. ich muss manchmal 5- bis 10-mal innerhalb von ein paar stunden den Kite mühselig aus dem Busch holen. Bis jetzt hat das erst zu einem kleinen Loch im 7er Kite geführt, aber die Schnüre leiden deutlich. Sie sind an vielen Stellen schon etwas dünner geworden - hoffentlich halten sie.
Durch die extremen Böen ist auch der erste ernsthafte Unfall passiert. Ich fuhr mit dem 7er Kite, um die schwachwind Phasen besser durchzurollen, dann kam mal wieder so eine Megaböe Böe: der kite powerte auf und auf, bis ich keinen Gegendruck mit dem Board mehr halten konnte. Depowern und Kitekorrekturen halfen nix mehr, ich musste dem Kite entgegenfahren, kam auf den Randstreife Schotter und sprang vom Brett. Da ich in diesem Moment mit ca. 40 km/h auf Bäume und Büsche zuraste, verlor ich die nerven und die Kontrolle über den Kite.Schließlich bin ich mit dem Kopf vor ein 10 cm dickes Bäumchen gerast. Den Baum hat’s weggeknickt, ich habe einen Ast durchs Gesicht bekommen und lag im Gebüsch. Aber der Helm ist einfach super. Außer einer blutigen Lippe und ein paar Kratzern an den Beinen habe ich nix abbekommen. Ich bin dann mit den 4,5 er Kite weitergefahren.
Ein absolutes Highlight der Tour waren die Devils Marbels. Riesige Felskugeln, die in völlig bizarrer Form aufeinander liegen. Habe dort übernachtet und konnte dann pünktlich zum Sonnenaufgang mit dem Wind weiterkiten - ein absoluter Traum. Solche Hochgefühle sind dann aber selten geworden. Seit Elliot ca. wachsen rechts und links des Highways hohe Bäume. Da kann man nur noch mit sehr gutem Wind kiten und mit extra langen Leinen. Der Wind ist aber hier oben im Norden nicht mehr stark genug. Mit jedem Kiteversuch riskiert man, den kite in einem Windloch in einen wirklich hohen Baum zu fahren und das braucht kein Mensch. Also rollere ich fast nur noch. Daran wird sich wohl bis Darwin auch nix mehr ändern, denn der Bewuchs bleibt gleich und der erwartete SUPEWRSTURM mit südlichen Winden und mindestens 5 Windstärken, der mich hier noch durchpeitschen könnte, der kommt wohl nicht mehr.
Noch eine Windkuriosität: bei Banka Banka bin ich an einem riesigen Buschfeuer vorbeigekommen. Es brannte ca. 10 Kilometer Westlich des Highways. Nachts konnte man den Feuerschein sehen, tagsüber den Rauch. Hier gab es völlig irre lokale Windverhältnisse. Der wind kam alle paar Kilometer aus einer völlig anderen Richtung. Vorwind, Am Wind, Halbwind - alles war drin.
Zu erwähnen wäre noch, dass das ständige mühevolle Rollern durch zwei schöne Ereignisse erleichtert wurde. Das erste war ein plötzlicher Regenfall mitten im Nowhere. Die Strasse war so heiß, dass das Wasser auf dem Asphalt fast kochte. Ich legte mich auf die Straße ins heiße Wasser und von oben klatschten dicke, kalte Regentropfen auf meinen Körper. Danach rollerte es sich wieder viel leichter.
Dann kam Mataranka: thermal Quellen mit 34 Grad Wassertemperatur - ein wunderschöne Abkühlung. ich blieb stundenlang in dieser paradiesischen Oase hocken - einfach nur ein Traum, umstanden von riesigen Palmen und Kakadus, Wasserschildkröten und Wallabies ( kleinen Kangaroos).
Voraussichtliche Ankunft in Darwin 9.11. Abends (wenn alles passt). Leider brauche ich viel länger als ich dachte. Die riesig großen Sprünge sind mir trotz Spitzengeschwindigkeiten von über 50 km/h nicht gelungen. Mal war’s die Polizei, die uns stoppte, mal hielt der Wind nicht lang genug an, mal war er zu böig, mal war zu viel Verkehr... Ich hatte ja damit gerechnet, dass die letzten 500 Kilometer sehr schwierig würden, aber ich hatte mit mehr Superetappen im Zentrum gerechnet. Aber was soll’s: ich rollere das jetzt zu ende und außerdem: wer mit dem Wind reist, der sollte keine zu knappen Verabredungen treffen!
Viel gelernt und tolle Kite-Momente auf dem heißen Asphalt gehabt - ob ich den Kite noch Mal vor Darwin auspacken werde, das bleibt jetzt die spannende Frage.
Melde mich vom Ziel der Reise
Gruss aus down under
Hängt loose
Dirk Gion
earthflyer


Bin heute um 13 Uhr lokale Zeit auf die Pier in Darwin gefahren. Konnte den 8 Meter Sprung ins Wasser leider nicht machen, da tödliche Quallen, Krokodile und Haie im Wasser....
Die letzten Tage waren ein ereignisloses Nachtrollern ohne nennenswerten Wind und mit hohen Bäumen rechts und links. Die letzten 60 Kilometer nach Darwin habe ich von Sonnenaufgang bis 13 Uhr in glühender Hitze gemacht - Hölle. Ein ziemlicher Medienrummel als Empfang angezettelt von meinem Partner Christoph Fleischer war eine nette Belohnung.
Heute Abend um 19 Uhr war die Earthflyer Story Landesweit auf abc-news !!!! Außerdem noch Fernsehberichte, Radio- Interviews, Zeitungsberichte und ein drittel der Anfragen konnten wir heute Nachmittag gar nicht mehr bewältigen. Klasse. Die Menschen sind begeistert von der "scheinbaren" Leichtigkeit und Schnelligkeit unserer Reise. Wenn sie wüssten....
Wir fahren noch heute Nacht wieder Richtung Süden, drehen noch ein paar Szenen nach auf dem Highway und sind am 13. November in München. Die 2860 Kilometer haben wir in 18 Tagen zurückgelegt - das kommt mir extrem langsam vor, aber die Australier feiern es wie einen Geschwindigkeitsrekord.
Bis die Tage in up above,
Dirk Gion
earthflyer